Antwort von Kerstin Krohn SÖS

Sehr geehrter Bürgerverein,

es ist mir nicht möglich, die einzelnen Themen ohne Zusammenhang zu sehen. Das Industrie- und Gewerbegebiet ist eine Folge des Wachstums der Wirtschaft. Wenn es nicht bei uns gebaut wird, dann an einer anderen Stelle. Ein endloses Wachstum ist nicht möglich, ohne am Ende die Lebensgrundlagen der Menschheit zu zerstören. Doch solange sich Städte und Kommunen auf Sachzwänge zurückziehen und die Wirtschaft durch ihre Politik nicht Zaum halten, wird das wohl so weitergehen.
 
Ebenso verhält es sich mit dem Neubaugebiet Längenäcker-Wiesert. Ich habe 2015 die Gegner der Bebauung unterstützt, weil neben der skandalösen Versiegelung dieses wunderbaren Naturstücks klar war, dass die Bebauung keine Wohnungsprobleme lösen wird. Die Profite im derzeitigen Wohnungs- und Immobilienmarkt sind exorbitant und die Stadt macht mit. Ohne das beherzte Eingreifen der Stadt durch Kauf von Grundstücken und den Bau und Erhalt von städtischen Wohnungen sowie die Förderung von genossenschaftlichem Wohnen, wird es bald keinen bezahlbaren Wohnraum in Stuttgart mehr geben. Da passt aktuell die Veröffentlichung des Wohnungsmarktberichtes 2019. Ich verweise auf die Pressemitteilung meiner Fraktion https://soeslinkeplus.de/2019/05/wohnungsmarktbericht-2019-offenbart-totalversagen-von-oberbuergermeister-kuhn/.
 
Auch im ÖPNV klappt es mit dem bisherigen Vorgehen nicht. Es braucht ein Gesamtkonzept, welches den automobilen Individualverkehr einschränkt und Fußgänge*innen sowie Radfahrer*innen Vorrang gibt. SÖS kämpft für einen solidarisch finanzierten kostenlosen umfangreichen ÖPNV.
 
Eltern muss klar sein, dass Grundschüler nicht nur Lesen und Schreiben sondern auch Kompetenzen im sozialen sowie im Straßenverkehr lernen müssen. Dazu gehört das selbstständige Bewältigen des Schulwegs. In der Klasse meiner Tochter am Gymnasium gab es noch in der 7. Klasse Kinder, die nicht wussten, wie der ÖPNV funktioniert. Wer kann das den Eltern klar machen?
 
Vielen Dank für Ihr Interesse und viele Grüße
Kerstin Krohn