Antworten von Ralph Schertel SchuB

Industrie- und Gewerbegebiete in Kornwestheim unmittelbar an Stammheimer Gemarkungsgrenze - Lärm, Dreck, Versiegelung und immer mehr Verkehr für Stammheim - quo vadis?

Aus meiner Sicht untragbar, aber vor der herrschenden Rechtslage kein einfaches Thema.Die Landeshauptstadt (LHS) Stuttgart sollte alles unternehmen und auf die Nachbarstadt einwirken, dass Kornwestheims Gewerbe nicht noch dichter an Stammheim (insbesondere an das Wohngebiet Sieben Morgen) heranrückt.Ich hatte mich bereits vor einiger Zeit (ca. 2 Jahre) gegen die Erweiterung des Güterbahnhofs bzw. Gewerbegebiets in einem Antrag ausgesprochen und auch gefordert, die beiden zwischenzeitlich beampelten Kreuzungen als weniger Lärm produzierende und gleichzeitig die Verkehrssicherheit erhöhende Kreisverkehre umzugestalten.

Sicherer Schulweg in Stammheim - wie sollte man den immer gefährlicher werdenden „Eltern-Shuttles“ von und zur Stammheimer Grundschule am Fliegenweg begegnen?

Ein schwieriges überregionales Thema. Appelle an Eltern und Schüler fruchten leider eher wenig.Die Angebotsvariante wäre, dass man geführte Gruppen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen zur Schule laufen lässt, denen sich die Schüler anschließen können. Somit müssten die Eltern keine Sorgen haben. Eine etwas härtere Maßnahme (Gebotsvariante) wäre, den Bereich Fliegenweg/Tuchbleiche/Burtenbachstraße zu typischen Schulbeginn- und -endzeiten nur derart von Autos befahren zu lassen, dass man erst nach einer Stunde wieder in die andere Richtung fahren darf - rein in den Trichter und frühestens nach einer Stunde wieder raus. Anwohner wollen ja üblicherweise jeweils nur in eine Richtung morgens bzw. abends.

Bezahlbarer Wohnraum - Im Neubaugebiet Langenäcker-Wiesert werden Höchstpreise für Grundstücke aufgerufen, sodass bezahlbarer/geförderter Wohnraum kaum noch angeboten werden kann. Was kann man tun?

Vermutlich kann man nicht mehr so viel tun, da der Verkauf läuft und das Kind damit gerade in den Brunnen fällt. Hier hätte früher gegengesteuert werden müssen. Leider finden sich für Maßnahmen zur sozialen Grundstücksvergabe (zumindest eines gewissen Prozentsatzes der Flächen) im Gemeinderat keine Mehrheiten. SchUB kann sich vorstellen, dass es eine Quote für Stammheimer gibt, die sich verändern möchten und ebenso familienfreundliche Preise für eine junge Familien (ebenso für einen gewissen Prozentsatz der Flächen).

ÖPNV und Nahverkehr - mit dem Rückzug von Car2Go und den in den Stoßzeiten völlig überfüllten Stadtbahnen der Linie U15 ist Stammheim alles andere als gut angebunden. In Richtung Norden gibt es nur unregelmäßigen/zu wenig Busverkehr. Ihre Antwort auf dieses Problem?

Die detaillierte Antwort würde den Rahmen sprengen. Kurzfristig: Verstärkerfahrten, ggf. auch Stammheim - Zuffenhausen - Mönchfeld. Mittelfristig: fahrerlose U-Bahnen in engerem Takt; Elektrokleinfahrzeuge (z.B. E-Tretroller) als Zubringer zu den Haltestellen; Mitfahrerdienste (z.B. via App); 24h-Betrieb der U-Bahn. Langfristig: U-Bahnring im Außenbereich; Verbindung nach Schwieberdingen; autonomes Fahren (damit auch Car2go-Nachfolger) und autonome Busse nach Norden.

Wie sehen Sie die allgemeine Situation im Stadtbezirk? Was macht Stammheim aus? (Platz für allgemeine (auch positive) Aussagen zu Stammheim, Blick in die Zukunft, Wo besteht Ihrer Ansicht Handlungsbedarf, u.ä.).

Stammheim ist aus meiner Sicht insgesamt nett und lebenswert. Sport passt, Feuerwehr passt. Es gibt einige "Baustellen", z.B. der Freihofplatz, der eine Aufwertung vertragen könnte. Ebenso dürfte im Emerholz gewerblich etwas positive Entwicklung stattfinden. Pflegeplätze sind stadtweit ein Thema. Der Kulturetat für die Bezirke wurde auch auf meinen Antrag hin erhöht. Der Einzelhandel sollte seine wichtige Funktion der Nahversorgung behalten, was auch entsprechendes Kaufverhalten voraussetzt. Die Infrastruktur muss dem Einwohnerwachstum (u.a. Langenäcker-Wiesert) folgen. Das Image "Stammheim = JVA" sollte positiv besetzt werden. Hochwasserschutz ist in Richtung Hummelgraben erforderlich. Das Jugendhaus im Marco-Polo-Weg sollte ggf. stilgetreu renoviert werden, der Jugendtreff Sieben Morgen wird aufgewertet (Beschluss ist gefasst). Um Stammheim von Pendlern zu entlasten plädiere ich für den Bau eines P+R -Parkhauses im Dreieck B10/B27 mit direktem Zugang zur S-Bahn (neue Haltestelle erforderlich), das von Norden (B27, B27a) und Westen (B10) den Pendlern eine komfortable Umsteigemöglichkeit bietet. Wenn der Vollanschluss Neuwirtshaus (B10) Stammheim vom Durchgangsverkehr entlastet, wie Prognosen vorhersagen, sollte man ihn bauen. Für den Radverkehr sollte nach Norden entlang der L1110 wieder eine Möglichkeit geschaffen werden, ebenso im Bereich Hummelgraben eine Vereinfachung ohne viele Schleifen rund um B27(a).

Weitere Infos (für ganz Stuttgart):  www.schub.online